Deutscher Neger

DEUTSCHER NEGER beschreibt einen Zyklus von 3 Tanzstücken welche die weitere Arbeit von Voges deutlich beeinflusst haben.

„Deutscher Neger” steht für underdogs – die Außenseiter, die Unterpreviligierten aber auch für das kreative, sinnliche, musische, potente, das man gemeinhin mit dem Wort „Neger” gerne verbindet.

Für die erste Aufführung musste auch ein Name für Voges‘ Künstlergruppe her. Zur Uraufführung von „Deutscher Neger” taufte sich die Gruppe „Deutsche Neger Produktion”. Bald darauf in „Tanztheater Neger”. 1990 wurde der inzwischen als gemeinnützig anerkannte Künstlerverein „Tanztheater Neger e.V.” in „Kunstwelt e.V. München” umbenannt.

Ein Schild „Tanztheater Neger” vor einer alten Reichswehrhalle in der Dachauerstraße 128 in München brachte den Volksmund darauf diesen Ort „NEGERHALLE” zu nennen.

Eine Legende war geboren.

Das erste Tanztheater
D.E.U.T.S.C.H.E.R. N.E.G.E.R.
Tanz Musik Malerei

Deutscher Neger ist eine über ein Jahr entstandenes Tanztheater in drei Teilen. Es ist eine Reise „vorwärts”, zu sinnlich, menschlichem Ausdruck.
„Unter dem Titel „Deutscher Neger” wird eine Reise „Vorwärts” zu den Urformen von Macht und Stärke dargestellt. Nicht ein zurück zu Afrika, sondern ein neu entdecken von Ur-Kräften. „Deutscher Neger” arbeitet mit abstrakten Bewegungsabläufen und Improvisationen, mit lebender Farbe und lebender Musik. Bewegung, Farbe und Rhythmus als Mittel der Symbolik.

Die Dreigeteiltheit des Stückes ist als Entwicklungsverlauf zu verstehen.

Teil 1

Wie forme ich einen Menschen.
Wie stelle ich ihn – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Beine.
Wie bin ich geformt worden.
Die Darstellung einer abstrakten Erwachsenenwelt.
Die Farben halten sich in schwarz und weiß.

Der erste Teil äußert somit das da-sein, während es im zweiten Teil weiterführend um die Behauptung der eigenen Stellung, unter Beibehaltung des Individualcharakters geht. Ein Kräftemessen – zwei Frauen, beide in gelb, eine scheinbare Einheit bildend. Ihre Stellung, Rücken an Rücken, die Arme verhakt, ist jedoch zwiespältig. Denn eine Bewegung löst eine Gegenbewegung des anderen aus. Ein gleichzeitiges mit -und gegeneinander. Ein Kräftemessen mit und gegen andere. Eine rote symbolische Grenze liegt diagonal zwischen diesem Geschehen und einer Person, die erst die Grenze abschreitet, und auf der anderen Seite der diagonal geteilten Bühne stehen bleibt. Die eigenen Grenzen abstecken im weiteren Sinn. Denn nun tritt die Farbe wieder in den Blickpunkt. Erst zaghaft auf den Körper angewandt – rot braun gelb – dann immer selbstbewusster. Ein darauf folgendes hin und her zwischen auftragen der Farbe und wieder abkratzen erfolgt parallel zu den Bewegungen der Kräftemessenden.

Der dritte Teil – Ein Orgiastisches Ritual.

Es kommt zu individuellen Bewegungen nach einer vorherigen Konzentration aufeinander. Und – die Auflösung vollzieht sich durch das Zusammenfinden der Personen zu einem Kreis. Das Symbol der Einheit als Ende.
Aufgefangen werden Bewegungen und Symbolik von dem Maler Stephan Rustige, der im Hintergrund ein sich ständig veränderndes Bild schafft, indem er in phantastischer Weise Impulse aufnimmt und gibt. Die Macht und Stärke äußert sich auf dem Papier.
Man mag sich in Form und Farbe an urzeitliche Höhlenmalereien erinnern doch wird vielmehr die Ur-Kraft in heutige abstrakte Malerei verwandt.
Die Moderne Todsünde
Darstellung einer modernen Welt.
Charakterisiert durch Synthesizer Klänge und moderne Objekte. So z. B. ein Zahnarztstuhl oder ein Einkaufswagen. Manch ein modebwußter New Waver würde sich gern solch einen Stuhl ins Appartement stellen. Der Mensch bewegt sich in diesem Umfeld, begrenzt durch über die Bühne gespannte Gummibänder. Eine beeindruckende Szene bietet das Auftauchen einer Person, die mit Gummibändern zwischen den Gelenken tanzt. Diese Szene ist sehr schön auf Geräusche von schnalzenden Gummis des Synthesizers abgestimmt.
Sich an Klängen klammernd, die das ganze Stück zusammenhalten, zeigt sich das akrobatische Können der Darsteller.

Doch der Wagnis – Charakter dieses Stückes sollte nicht ausreichen.
Tanz – Theater – Performance
Erspart bleibt es zu sagen, wer nun Vertreter welches Begriffes ist, da die bunte Mischung wohl vorherrschte. “ Agnes Marghescu

Deutscher Neger arbeitet mit abstrakten Bewegungsabläufen und Improvisationen, mit Live-Malerei und Live-Musik.
Malerei: Stefan Rustige, arbeitete u.a. mit den Musikgruppen Embryo und Checkpoint Charly
Musik: Irene Rindje und Wolfgang Meiler von CoolTour
Inszenierung, Choreographie: Bonger Voges

Bonger Voges, in N.Y., Hannover, Rotterdam und München ausgebildet, gehörte von 1979 bis 1983 als Solist zum Tanzprojekt München. Im Mai 1981 hatte er in der TPM-Probebühne, München sein choreographisches Debüt.