Das erste Tanztheater
D.E.U.T.S.C.H.E.R.N.E.G.E.R. Tanz Musik Malerei Idee und Choreographie Bonger Voges Deutscher Neger ist eine über ein Jahr entstandene Episode in drei Teilen. Es ist eine Reise „vorwärts“, zu den Urformen von Macht und Stärke. Teil 1: wie forme ich einen Menschen, wie bin ich geformt worden, wie stelle ich ihn – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Beine. Teil 2: die eigenen Grenzen abstecken, ein Kräftemessen mit und gegen andere. Teil 3: ein orgiastisches Ritual Deutscher Neger arbeitet mit abstrakten Bewegungsabläufen und Improvisationen, mit Live-Malerei und Live-Musik. Stefan Rustige, freischaffender Maler, arbeitete früher mit den Musikgruppen Embryo und Checkpoint Charly zusammen. Die Musik machen Irene Rindje und Wolfgang Meiler (CoolTour). Bonger Voges, in Hannover, Rotterdam und München ausgebildet, gehört seit 1979 als Tänzer zum TPM. Im Mai 81 hatte er in der TPM-Probebühne sein choreographisches Debüt. Das Tanzprojekt München ist nicht „das Tanzprojekt München“, sondern steht vielmehr in Zusammenarbeit mit selbigen. Unter dem Titel „Deutscher Neger“ wird eine Reise „Vorwärts“ zu den Urformen von Macht und Stärke dargestellt. Nicht ein zurück zu Afrika, sondern ein neu entdecken von Ur-Kräften. „Deutscher Neger“ arbeitet mit abstrakten Bewegungsabläufen und Improvisationen, mit lebender Farbe und lebender Musik. Bewegung, Farbe und Rhythmus als Mittel der Symbolik Die Dreigeteiltheit des Stückes ist als Entwicklungsverlauf zu verstehen. Teil 1 Wie forme ich einen Menschen. Wie stelle ich ihn – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Beine. Wie bin ich geformt worden. Die Darstellung einer abstrakten Erwachsenenwelt.
Die Farben halten sich in schwarz und weiß.
Der erste Teil äußert somit das da-sein, während es im zweiten Teil weiterführend um die Behauptung der eigenen Stellung, unter Beibehaltung des Individualcharakters geht.
Ein Kräftemessen – zwei Frauen, beide in gelb, eine scheinbare Einheit bildend.
Ihre Stellung, Rücken an Rücken, die Arme verhakt, ist jedoch zwiespältig.
Denn eine Bewegung löst eine Gegenbewegung des anderen aus. Ein gleichzeitiges mit –und gegeneinander. Ein Kräftemessen mit und gegen andere. Eine rote symbolische Grenze liegt diagonal zwischen diesem Geschehen und einer Person, die erst die Grenze abschreitet, und auf der anderen Seite der diagonal geteilten Bühne stehen bleibt.
Die eigenen Grenzen abstecken im weiteren Sinn. Denn nun tritt die Farbe wieder in den Blickpunkt. Erst zaghaft auf den Körper angewandt – rot braun gelb – dann immer selbstbewusster.
Ein darauf folgendes hin und her zwischen auftragen der Farbe und wieder abkratzen erfolgt parallel zu den Bewegungen der Kräftemessenden.
Der dritte Teil – Ein Orgiastisches Ritual. Es kommt zu individuellen Bewegungen nach einer vorherigen Konzentration aufeinander. Und – die Auflösung vollzieht sich durch das Zusammenfinden der Personen zu einem Kreis. Das Symbol der Einheit als Ende. Aufgefangen werden Bewegungen und Symbolik von dem Maler Stephan Rustige, der im Hintergrund ein sich ständig veränderndes Bild schafft, indem er in phantastischer Weise Impulse aufnimmt und gibt. Die Macht und Stärke äußert sich auf dem Papier. Man mag sich in Form und Farbe an urzeitliche Höhlenmalereien erinnern doch wird vielmehr die Ur-Kraft in heutige abstrakte Malerei verwandt. Idee und Choreographie – Bonger Voges
Die Moderne Todsünde Darstellung einer modernen Welt. Charakterisiert durch Synthesizer Klänge und moderne Objekte. So z. B. ein Zahnarztstuhl oder ein Einkaufswagen. Manch ein modebwußter New Waver würde sich gern solch einen Stuhl ins Appartement stellen. Der Mensch bewegt sich in diesem Umfeld, begrenzt durch über die Bühne gespannte Gummibänder. Eine beeindruckende Szene bietet das Auftauchen einer Person, die mit Gummibändern zwischen den Gelenken tanzt. Diese Szene ist sehr schön auf Geräusche von schnalzenden Gummis des Synthesizers abgestimmt. Sich an Klängen klammernd, die das ganze Stück zusammenhalten, zeigt sich das akrobatische Können der Darsteller Doch der Wagnis – Charakter dieses Stückes sollte nicht ausreichen. Tanz – Theater – Performance Erspart bleibt es zu sagen, wer nun Vertreter welches Begriffes ist, da die bunte Mischung wohl vorherrschte.
Agnes Marghescu |